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Laut, lauschend und langbeinig



Dienstag, 28.4.2026


Im Tiergarten Nürnberg gibt es mehr zu sehen, als man auf den ersten Blick erwartet: Manches ist laut, anderes lauscht, und wieder anderes besticht durch extrem lange Beine. Gespannt?

Lorenzo


Da ist zunächst mal unser Freund Lorenzo. Wann immer möglich, wollen wir ihn, wenn wir im Tiergarten Nürnberg sind, auch treffen. Lorenzo ist Kurator für Forschung und Artenschutz und koordiniert wissenschaftliche Projekte sowie internationale Schutzprogramme. Er arbeitet eng mit Universitäten und Forschern zusammen und ist stark in Initiativen wie Yaqu Pacha eingebunden, besonders im Bereich Meeressäuger und bedrohte Wasserlebewesen. Kurz gesagt: Er versteht den Tiergarten als Ort, an dem Forschung und aktiver Artenschutz direkt zusammenkommen.

Wer ihn sucht, muss nur Augen und Ohren offen halten – Lorenzo ist nämlich ständig unterwegs. So auch jetzt: Auf dem Fahrrad, mit einer Kamera in der Hand, ruft er im Vorbeifahren: „Die muss noch zu den Harpyien!“ Trotz aller Hektik steigt er kurz ab, umarmt Susanne und nimmt sich sogar noch einen Moment für ein kurzes Gespräch.

Wir sind stolz, Lorenzo als Freund zu haben. Schließlich ist er international anerkannter Wissenschaftler, dessen Arbeit weit über den Tiergarten hinaus Wirkung zeigt. 2023 z. B. erhielt er eine der höchsten Ehrungen innerhalb der EAZA-Community, den EAZA Lifetime Achievement Award. Dabei geht es nicht um Projekte, sondern um ein gesamtes Lebenswerk im Bereich Zoo- und Naturschutzarbeit.

Bei allem Ruhm ist er jedoch immer sehr bodenständig geblieben. Im Mittelpunkt steht für ihn nicht der Titel, sondern das konkrete Handeln: beobachten, anpacken, weiterdenken. Vielleicht macht genau diese Mischung ihn aus – fachlich hochkompetent, aber zugleich nahbar und mitten im Geschehen. Für uns ist er vor allem ein Freund, der zeigt, dass echte Größe im Tun liegt, nicht im Titel.

Leider müssen wir uns dann auch schon wieder von Lorenzo verabschieden. Er hat eine wissenschaftliche Besuchergruppe zu betreuen. „Seid ihr um zwei noch da? Da muss ich denen den „Blauen Salon“ und die Lagune zeigen. Vielleicht treffen wir uns dort ja nochmal?“

Wir gehen weiter


Bevor wir irgendetwas anderes machen, will Susanne unbedingt zu den Löwen, deren Gehege 770 m entfernt und 25 Meter höher liegt. Die Löwen haben nämlich an Weihnachten Junge gekriegt und seit drei Wochen etwa soll man sie auf der Freianlage sehen können. Susannes Wunsch ist mir Befehl,

Löffelhunde


Zunächst kommen wir aber an den Löffelhunden vorbei, die sich – ganz entgegen ihrer eigentlichen Gewohnheit – hier tagsüber in der Sonne zeigen. Normalerweise sind sie nämlich dämmerungs- und nachtaktiv und ziehen sich tagsüber überwiegend in Höhlen oder geschützte Bereiche zurück, bevor sie in den kühleren Stunden wieder aktiver werden. Doch diese Exemplare scheinen ihren Tagesrhythmus heute eher kreativ auszulegen.

Löffelhunde sind kleine, etwa fuchsgroße Wildhunde aus den offenen Savannen Afrikas. Ihr auffälligstes Merkmal sind die sehr großen, löffelartig wirkenden Ohren, die ihnen nicht nur ihren Namen geben, sondern auch bei der Wärmeregulierung und beim Hören helfen. Mit ihrer sand- bis graugelben Fellfärbung sind sie gut an ihre Umgebung angepasst.

Bei den beiden im Bild unten sieht es gerade so aus, als ob sie sich in typischer sozialer Pflege-Manier gegenseitig Flöhe aus dem Fell knabbern würden. Und der rechts streckt im selben Moment frech die Zunge heraus – als wollte er sagen: Ätsch, doch nicht dämmerungsaktiv. Oder siehst du hier irgendwo Dämmerung? Langsam beschleicht mich das Gefühl, dass hier einer veräppelt werden soll.

Die Nahrung der Löffelhunde besteht hauptsächlich aus Insekten, vor allem Termiten und Käfern, die sie mit ihrem feinen Gehör und ihrer guten Wahrnehmung im Boden aufspüren. Damit nehmen sie unter den Wildhunden eine besondere Rolle ein, da sie sich überwiegend von wirbellosen Tieren und nur selten von Fleisch ernähren.

Nachdem man am alten Delfinarium vorbei ist, geht’s dann links hoch zu den Alpensteinböcken. Früher haben wir diesen Weg immer als ziemlich steil und anstrengend empfunden – dabei beträgt die Steigung nur etwa 5 %. Heute können wir über sowas nur noch lachen. Gestern im Wildtierpark Hundshaupten ging es zu den Schafen schließlich satte 22 % hinauf.

Das Steinbockgehege ist leider leer, also gehen wir links daran vorbei – wobei der Weg hier überraschenderweise mit etwa 8 % doch auch merklich ansteigt. Aber nicht weit, dann geht’s rechts durch den Natursteintunnel weiter zu den Mähnenwölfen.

Mähnenwölfe


Mähnenwölfe stammen ursprünglich aus den offenen Savannen- und Graslandschaften Südamerikas. Als ich das gelesen habe, habe ich zunächst gestutzt, denn Savannen und Graslandschaften hatte ich eher in Afrika verortet. Tatsächlich gibt es solche Lebensräume aber auch in Südamerika.

Während sie in Afrika etwa Serengeti, Masai Mara, Kruger-Nationalpark oder Kalahari heißen, wird die entsprechende Landschaft in Südamerika „Cerrado“ genannt.

Der Mähnenwolf (Chrysocyon brachyurus) ist dabei kein „echter“ Wolf, sondern gehört zu einer eigenen Gattung. Charakteristisch sind seine sehr langen Beine, die ihm eine markante, fast fuchsartige Silhouette verleihen. Diese Körperform ist eine Anpassung an das hohe Grasland: Sie ermöglicht ihm eine gute Fortbewegung und hilft ihm, über die Vegetation hinwegzusehen.

Ernährungstechnisch sind Mähnenwölfe Allesfresser mit einem sehr breiten Nahrungsspektrum. Neben kleinen Wirbeltieren und Insekten fressen sie auch Früchte, insbesondere die sogenannte „Wolfsbeere“ (Solanum lycocarpum), die in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet eine wichtige Rolle spielt.


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